NWZ 01.11.2012

 

Welle des Erfolges führt zur WM auf den Philippinen

Wassersport Wakeboarder Tom Brandt bereitet

sich auf größtes Turnier seines Lebens vor

Seit dem vergangenen Sonnabend befindet sich Brandt in Manila im Trainingslager. Am 6. November startet der in Hooksiel trainierende Schüler erstmals bei einer Weltmeisterschaft.

Hooksiel/Wilhelmshaven/Manila Auch wenn er sonst zu den „coolen Jungs“ auf dem Wasser gehört, leichte Bauchschmerzen konnte Tom Brandt am vergangenen Freitag dann doch nicht abstreiten. Gerade hatte er seine Koffer für das größte sportliche Abenteuer seiner noch kurzen Laufbahn fertig gepackt. Noch in der Nacht ging es für den 15-jährigen Schüler aus Wilhelmshaven nach Frankfurt, um dann mit dem Flieger nach einem kurzen Zwischenstopp in Abu Dhabi auf den Philippinen zu landen.

Trainingslager in Manila

Inzwischen werden die Bauchschmerzen bei Tom Brandt verflogen sein und er wird dem nachgehen, was er am besten kann: auf dem Wakeboard stehen. Seit Sonnabend bereitet sich Brandt in einem Trainingslager zusammen mit dem deutschen Wakeboard-Team auf die Weltmeisterschaften in der philippinischen Stadt Manila vor. „Das ist etwas ganz besonderes, auf das ich mich riesig freue und für das ich intensiv trainiert habe“, sagte der auf der Wasserski-Anlage in Hooksiel trainierende Brandt kurz vor dem Abflug.

Erst vor zweieinhalb Jahren hat die Erfolgsgeschichte des 15-Jährigen in dem Sport mit den spektakulären Sprüngen begonnen. Brandt stellte sich das erste Mal auf ein Wakeboard und war sofort fasziniert. Inzwischen trainiere er täglich, berichtet er. Im Sommer habe er häufig den ganzen Tag auf der Wasserski-Anlage in Hooksiel verbracht. Brandt: „Dass ich morgens um 10 Uhr komme und abends um 20 Uhr gehe, ist keine Seltenheit.“

Das Gefühl von Freiheit, dass er auf dem Wasser habe, begeistert Tom Brandt. „Ich habe keinen Trainer, der mir genau sagt, was ich zu tun habe. Ich stelle mich einfach auf mein Brett und probiere aus, was alles auf dem Wasser möglich ist“, beschreibt Brandt. In den Wettkämpfen gebe es zudem mit anderen Sportlern keine richtige Konkurrenzsituation. „Im Gegenteil. Wir drücken uns gegenseitig die Daumen, dass keiner ins Wasser fällt. Diese Einstellung findet man nur in den wenigsten Sportarten vor.“

Platz vier in Toulouse

Das intensive Training des Schülers zahlte sich schnell aus. Seit 2011 nahm er regelmäßig an vielen Wettbewerben teil. Bei Masters-Starts in Kiel und Hamburg sicherte sich Brandt den ersten Platz, bei Meisterschaften in Hamburg und Schleswig-Holstein schaffte er es jeweils auf den zweiten Rang. Im September setzte er sich zudem bei den Niedersachsenmeisterschaften in Heede gegen seine Konkurrenz durch und wurde Niedersachsenmeister. „Derzeit bin ich in der deutschen Rangliste in der U 16 auf Platz eins und belege in der Weltrangliste den fünften Platz“, erklärt Brandt. Von den Europameisterschaften in Toulouse (Frankreich) kehrte er in diesem Jahr mit einem vierten Platz zurück.

Doch ganz ohne Rückschläge kommt auch das große Talent aus Wilhelmshaven nicht aus. „Bei den Deutschen Meisterschaften bin ich in diesem Jahr leider zweimal ins Wasser gefallen und habe nur den achten Rang belegt“, berichtet er. Aufgrund dieses Ergebnisses schaffte es Brandt nicht in den offiziellen Kader des Deutschen Wasserski- und Wakeboardverbandes (DWWV). „Deswegen bekomme ich auch keine finanzielle Unterstützung für die Weltmeisterschaft.“ In der Folge machte sich der 15-Jährige zusammen mit seinen Eltern auf die Suche nach Sponsoren. „Doch das ist sehr schwierig in einer Sportart, die halt noch nicht so bekannt ist“, betont Brandt. Nur dank der finanziellen Unterstützung seiner Eltern und seiner Großeltern könne er nun an den Weltmeisterschaften teilnehmen. Brandt: „Ich bin ihnen sehr dankbar und finde es toll, wie sehr sie meine Leidenschaft unterstützen.“

Dabei sein ist alles

In Manila bereitet sich Brandt nun mit dem 32-köpfigen Team des DWWV vor. Im „Republic-Wakepark“ findet das letzte Feintuning der Athleten statt. „Ich kenne einige meiner Kollegen schon aus der Zeit bei der Europameisterschaft in Frankreich. Wir werden sicher eine gute Vorbereitung haben“, sagte Brandt kurz vor dem Abflug.

In puncto Zielsetzung hält sich der 15-Jährige bei seinen ersten Weltmeisterschaften zurück. „Dabei sein ist in diesem Fall für mich wirklich alles. Ich will die Qualifikationsläufe überstehen und alles, was in den Halbfinalläufen passiert, ist Zugabe.“ Für Brandt wird es am Dienstag, 6. November ernst, dann finden die Qualifikationsläufe in seiner Altersklasse statt.

Wie ernst Tom Brandt seine Ziele verfolgt, zeigt, wie langfristig der 15-Jährige plant: „2016 wird Wakeboard bei der Olympiade in Brasilien vorgestellt. Wenn alles nach Plan läuft, wird es dann 2020 erstmals eine olympische Disziplin. Da möchte ich unbedingt dabei sein.“